Veröffentlicht am

Stierblut: Der Wein hinter dem Namen

Ein Klassiker mit einem irreführenden Namen: Bikavér oder Stierblut ist eine rote Cuvée, welche die Essenz einer Weinregion durch eine Kombination ihrer besten Reben groß herausstellt. Der Wein wird sowohl in der nördlichen kühleren Region um Eger als auch in der wärmeren südlichen Region von Szekszárd erzeugt, was zu individuell unterschiedlichen Stilen führt. 

Während sich die genauen Spezifikationen zur Erzeugung von Stierblut in den beiden Regionen leicht unterscheiden, ist das Wesen gleich: eine Mischung von mindestens drei verschiedenen roten Rebsorten ausgewählter Trauben, die für das Weingut und die Region typisch sind – meistens mit einem ordentlichen Anteil Kékfrankos und manchmal auch mit Kadarka. Man lässt ihn einige Monate oder Jahre in Fässern reifen und gibt ihm noch etwas Ruhe in der Flasche. Im Ergebnis präsentiert sich eine Cuvée, welche die besten Aromen der Region vereint und durch die unterschiedlichen verwendeten Rebsorten eine gute Balance erzielt, vergleichbar mit den feinen Weinen aus Rioja oder Bordeaux für ihre jeweiligen Regionen.

Egri Bikavér (“Stierblut aus Eger” oder „Erlauer Stierblut“) ist ein Wein aus kühlerem Klima. Unsere favorisierten Weingüter streben alle nach einem weichen und eleganten Stil des Weins, der eher an nördliche denn an südliche Weine erinnert. Szekszárdi Bikavér aus Szekszárd ist hingegen meistens ein reichhaltigerer und wärmerer Wein, der das wärmere Klima seiner Herkunft reflektiert. Die Weine beider Regionen sind aromatisch, würzig und klassische Essensbegleiter für so ziemlich alle Gerichte mit kräftigen Aromen.

Ist der Name Schall und Rauch?

Der Name soll auf Schlachten gegen das Osmanische Reich im Mittelalter zurückgehen, wo türkische Soldaten den Wein, den die ungarischen Verteidiger vor dem Kampf tranken, als Blut von Stieren verkannten, welches den Ungarn zusätzliche Kraft für die Schlacht verlieh. Besonders in der Stadt Eger, die sich selbst in einer berühmten Schlacht erfolgreich gegen die Ottomanen verteidigte, erscheint das als logischer Ursprung. Der einzige Haken an dieser Geschichte ist, dass zu jener Zeit in der Region Eger kein Rotwein erzeugt wurde und die erste schriftliche Erwähnung des Begriffs bikavér erst aus einem Gedicht von 1846 von einem Poeten aus Szekszárd stammt. Es sieht so aus, dass sich der Begriff in der Region als Slang-Wort für Rotweine etabliert hat, sich dann nach Eger ausbreitete und bald der Markenname für diesen Weinstil wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und bis 1989 war der Name Synonym für billige, schwere Rotweine aus der Massenproduktion im Ostblock, und es brauchte Jahrzehnte harter Arbeit durch kleinere Winzer, um dieses Image abzuschütteln. Der zwei Jahrhunderte zuvor erfundene Name verursacht heute vielen Weingütern Kopfschmerzen, da Name und Stil ein Klassiker geworden sind, aber der Begriff wird als veraltet angesehen für einen Stil, der mit der Zeit eleganter und anspruchsvoller geworden ist. Obwohl auch heute eines gewiss ist: die Weine des bikavér in unserer Auswahl sind delikat ausbalanciert, ehrliche Zeugen ihrer Herkunft und mit einer Finesse und Balance, die wir in diesen Regionen gerne noch viel öfter sehen würden:

In the Heimann cellar

1897782_723953690960986_24330464597129715_n

10314652_723954067627615_5366088496505385056_n