Die vulkanische Weißweine von Somló

Wenn man von der österreichischen Grenze in Richtung Budapest durch die nordwestungarische Landschaft fährt, ist der größte Teil der Landschaft ziemlich eintönig und flach bis man das Bakony-Gebirge erreicht, mit nur wenigen kleinen Hügeln, die die Landschaft prägen. Auf halbem Weg durch diese flache Landschaft ragt ein steiler, zerklüfteter Hügel über der Landschaft auf: der Berg Somló.

Der Berg entstand vor Millionen von Jahren, als die Landschaft des heutigen Ungarn noch unter Wasser war, bekannt als das Pannonisches Meer. Als das Meer langsam abfloss, brach Lava unter der Oberfläche hervor. Die sich ablagernden Schichten aus Vulkanasche und Lava bildeten mehrere Berge, darunter die Berge der Weinregion Tokaj, Badacsony, die Hügel nördlich des Plattensees und natürlich den Berg Somló.

Betrachtet man die Kontur des Hügels, kann man noch die Form eines erloschenen Vulkans erkennen, der über Jahrtausende erodiert ist. Wenn man näher kommt, offenbaren die schwarzen Basaltfelsen und steilen Terrassen die Vergangenheit des Berges. Der obere Teil des Hügels ist mit einem Wald bedeckt, auf dessen Spitze sich die Ruinen der alten Burg Somló befinden – ein beliebter Ort für Trekking im Sommer. Der „Rock“ des Berges hingegen ist voll mit Weinreben bepflanzt, oft in kleine Parzellen mit jeweils wenigen Reihen aufgeteilt, die kleinen privaten Winzern gehören.

Winzer wissen seit Jahrhunderten, dass die Mischung aus steilen, sonnigen Hängen, harten Basaltböden, warmem Klima und einer kühlen Brise vom Plattensee ideal ist, um intensive, kraftvolle Weißweine herzustellen. Forscher auf der ganzen Welt diskutieren immer noch darüber, wie Bodentypen den Geschmack im Wein beeinflussen, aber der Charakter der Somló-Weine spiegelt unbestreitbar die Basaltböden wider, aus denen der Berg besteht. Die hier angebauten Weine sind intensiv, vulkanisch und trocken, mit einem enormen Alterungspotential und einem einzigartigen, steinigen Charakter.

Somló ist eine der kleinsten Weinregionen Ungarns. Offiziell sind nur lokale weiße Rebsorten erlaubt, obwohl einige Weingüter wie Kreinbacher mit roten Rebsorten wie Kékfrankos und Syrah experimentieren. Zu den typischsten Sorten gehören Furmint, Hárslevelű, Olaszrizling (Welschriesling), Juhfark und Tramini (Gewürztraminer). Aufgrund des starken Charakters der Region wird gemeinhin gesagt, dass die Weine aus Somló in erster Linie nach Somló und nur in zweiter Linie nach ihrer jeweiligen Rebsorte schmecken.

Die ikonische Traube der Gegend ist Juhfark, die fast ausschließlich hier zu finden ist. Der Name bedeutet „Schafsschwanz“ und kommt von der langen, dünnen Form der Traube. Juhfark hat einen relativ zurückhaltenden Stil und produziert Weine mit einem milden Aroma und einer knackigen, intensiven Säure. Sie ist besonders gut darin, die Aromen der vulkanischen Böden hervorzubringen, auf denen sie normalerweise angebaut wird, und kann viele Jahre reifen. Der Legende nach wird das Trinken von Juhfark aus Somló (Somlói Juhfark) in einer Hochzeitsnacht dafür sorgen, dass das erste Kind des Brautpaares ein Junge wird.

Die beiden Weingüter, die wir derzeit in unserem Sortiment führen, sind zwei sehr unterschiedliche Betriebe: Kreinbacher ist ein professionelles, modernes Weingut, mit einer hochmodernen Weinkeller und einem Sektkeller, die halb unterirdisch in den Hang des steilen Hügels gebaut wurden. Sie konzentrieren sich auf traditionelle Rebsorten und -stile, zeigen diese aber in einer modernen, anspruchsvollen Form. Sie produzieren auch einige der besten Schaumweine Ungarns in einer Region, die zuvor nicht für Schaumweine bekannt war.

Imre Györgykovács hingegen ist einer der klassischen Namen der Region, der auf nur wenigen Hektar einzigartige Weine herstellt. Er ist jetzt halb im Ruhestand, aber wir haben in der Vergangenheit ausführlich über ihn geschrieben:

Alles rund um Somló fühlt sich wie ein Märchen an: der schroffe schwarze Berg springt aus der Szenerie heraus, als hätte ihn jemand dahingestellt. So steht er da, ganz allein auf einer sonst flachen Ebene. Die Straßen winden sich wirklichkeitsfern zum Bergrücken hinauf, entlang des Weges begleitet von Häuschen aus einem anderen Zeitalter. Inmitten dieses Märchens lebt Imre Györgykovács mit seiner Frau Gyöngyi. Gemeinsam kultivieren sie Reben auf ihrem winzigen nur 1,5 Hektar großen Weinberg, der gerade groß genug ist, damit sie alles selbst bewältigen können. Expandieren wollten sie nie, denn sie fühlten, sich nur auf einen Weinberg dieser Größe wirklich konzentrieren zu können.

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Obwohl diese Weingüter sehr unterschiedlich erscheinen mögen, haben sie viel gemeinsam: Wie die meisten Somló-Weingüter widmen sie sich dem Anbau gesunder, biologischer Trauben. Ab 2023 wird die gesamte Weinregion auf zertifizierte Bio-Methoden umstellen – die erste für eine Region in Ungarn. Kreinbacher ist zwar eines der größten Weingüter der Region, arbeitet aber auch eng mit kleinen Winzern zusammen, hilft ihnen beim Anbau und der Ernte von Trauben und verwendet sie in ihrem Wein. Seit Imre Györgykovács sich vor einigen Jahren entschied, sich teilweise zurückzuziehen, unterstützt Kreinbacher ihn nun beim Weinbau.

Somló-Weine sind einer der verborgenen Schätze des ungarischen Weinwelts. Sie brauchen ein paar Jahre zum Reifen und benötigen normalerweise einige Zeit nach dem Öffnen, aber wenn man die Weine etwas Geduld widmet, wird man mit einem reichen und intensiven Geschmackprofil, einem einzigartigen lokalen Charakter und wunderbare vulkanische Komplexität belohnt.

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Für weitere Infos über Somló empfehlen wir den Reisebericht von Reisewege Ungarn.