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Fröccs!

Wusstest Du, dass ein ungarischer Wissenschaftler das heutige Sprudelwasser erfunden hat, Ányos Jedlik? Und eines der ersten Dinge, was er damit machte, war eine Weinschorle.

Seitdem ist fröccs ein Nationalgetränk in Ungarn. Weinschorle, Gemischt, Spritz, fröccs (gesprochen „frötsch, froetch”), nenn es, wie Du willst, es ist eine Mischung aus Wein mit Sprudelwasser, aber das Ergebnis kann viel mehr sein als die Summe seiner Teile.

Falls Du irgendwelche negativen Vorurteile gegenüber Schorle hast, halte noch einen Augenblick daran fest. Vielleicht denkst Du, Weinschorle ist etwas, was Studenten trinken, um schlechten Wein etwas schmackhafter zu machen. In vielen Teilen der Welt ist genau das der Grund, wofür die Schorle da ist. In Ungarn hat aber fröccs eine jahrhundertelange Tradition und Geschichte. Eine guter fröccs bringt völlig neue Aromen aus einem Wein hervor und steigert die besten Eigenschaften des Weins. Ein guter fröccs ist leicht und erfrischend. Es gibt ihn in vielen verschiedenen Mischungsverhältnissen für alle Gelegenheiten und Stimmungen. Lies unseren Schorle-Führer und denke daran: im Sommer ist alles, was Du brauchst, fröccs.

Wein

Guter Wein ist entscheidend für einen guten fröccs. Schlechter Wein wird kein bisschen besser, wenn man Wasser dazugibt. Allerdings auch nicht jeder tolle Wein ergibt einen guten fröccs. Am besten passt ein Wein mit guter, betonter Säure, reichlich Mineralität und einem Anklang von Fruchtnoten. Das Sodawasser gleicht die Säure eines knackigen Weines aus, während die Bläschen die Fruchtigkeit steigern und das meiste aus den Fruchtaromen des Weines herausholen. Wir empfehlen keine allzu süßen Weine dafür, weil das Ergebnis dann normalerweise ein fröccs mit übermächtigem Aroma ist, dem es an Frische mangelt. Ebenso ergeben gereifte oder im Barrique ausgebaute Weine meistens auch keinen guten fröccs. Frische Weine aus den jüngsten Jahrgängen eignen sich am besten.

Fröccs wird immer aus oder -Wein gemacht. (Bisweilen kann ein sehr leichter Roter funktionieren, aber das ist etwas übertrieben.) Die Trauben vom (Welschriesling) zeigen oft mehr Aroma und Balance in einem fröccs als für sich alleine; Riesling ergibt ebenfalls einen fröccs mit netter, frischer Mineralität, Tramini und die Varianten des Muskatellers eignen sich toll für fruchtige und stärker florale Varianten, Rosé fröccs aus knackigen ungarischen Rosés ist generell leichter und erfrischender als seine weißen Kollegen. Das ist absolut probierenswert im Schatten an heißen Sommertagen. Und als ultimativer Tipp für die Kombination zum Essen: nichts schlägt einen roséfröccs zum (Letscho, im weitesten Sinne das ungarische Ratatouille).

Wasser

Nicht irgendein olles Wasser ergibt einen tollen fröccs. Eiskaltes Wasser mit feiner Perlage und einem neutralen Geschmack sind entscheidende VoraussetzungenDu kannst entweder ein stark sprudelndes Mineralwasser mit neutralem Geschmack suchen oder noch besser aus gefiltertem Leitungswasser Dein eigenes machen. Traditionelle Sodawasserflaschen sind heutzutage schwieriger zu finden, aber sie sind auch online zusammen mit CO2-Kartuschen zu bestellen, allerdings gibt es für die Kartuschen in Deutschland leider kein Pfandsystem, so dass viel Müll übrig bleibt. Wir empfehlen ein modernes System für die Karbonisierung, wie es in vielen Kaufhäusern erhältlich ist. Man sollte aber dem Wasser eine Extraportion CO2 hinzufügen (falls das Gerät dies erlaubt), weil es so sprudelnd wie möglich sein soll. In jedem Falle sollten die Bläschen ein paar Stunden Zeit bekommen, um sich darin zu lösen. Vor der Verwendung sollte die Flasche soweit wie möglich gekühlt werden. Die Flasche sollte nicht lange offenstehen und stets gekühlt und voll mit Kohlensäure versetzt bleiben.

Verhältnisse

Fröccs gibt es in vielen verschiedenen Mischungsverhältnissen, für jede Stimmung den passenden. In Ungarn bestellt man nie einfach nurfröccs‘, sondern fragt nach dem exakten Verhältnis anhand seines Spitznamens. Die folgende Grafik erklärt die gängigsten Mischungsverhältnisse, die praktisch jeder Barkeeper im Lande kennt.

Herkunft

Ányos Jedlik war ein Wissenschaftler und Priester des 19. Jahrhunderts, der (in Ungarn) vor allem für die Erfindung des Dynamos bekannt ist. Im Jahr 1826 erfand er auch eine Vorrichtung, um Wasser mit Kohlensäure zu versetzen und schuf damit die Voraussetzungen für alle heute bekannten Sprudelgetränke. Apfelschorle, Coke, Club Mate? Das geht alles auf ihn zurück. Falls Du mal ein paar Gläser fröccs getrunken hast und dann nach Hause geradelt bist (mit funktionierendem Licht), gut, dann sind noch ein paar weitere Teile an diesem Erlebnis ihm zu verdanken.

Eine bevorzugte Verwendung seines Sprudelwassers war es für Jedlik, dies dem starken, säurebetonten lokalen Weißwein der vulkanischen Weinregion Balaton hinzuzufügen. Er und seine Freunde, zu denen einige berühmte Schriftsteller und Poeten jener Zeit gehörten, erkannten schnell, dass diese Weine durch das frische sprudelnde Wasser gesteigert wurden. In den nächsten Jahrzehnten breitete sich fröccs im gesamten Land aus. Jedlik nannte sein Getränk ursprünglich Spritzer, aber der ungarische Dichter Vörösmarty intervenierte und fand, dass der Name zu Deutsch wäre. Schließlich nannten sie es fröccs in Anlehnung an das Geräusch der im Glas aufsteigenden Bläschen. Heute gibt es fröccs überall in Ungarn, und im Sommer gibt es nichts Besseres als einen eiskalten fröccs im Schatten.